Text der Woche

von 

Ingrid Metz-Neun

Beobachtungen 

(nicht nur zur Weihnachtszeit)

Es fällt auf: nicht nur alte Damen, zum Verdecken ihrer Falten
tragen plötzlich Schals; mal aus Wolle, mal aus Seide.
Nein, auch Herren allen Alters und das nicht nur an den kalten
Tagen, tun sie lässig um den Hals, als wär´s Geschmeide.

Ähnlich geht´s mit den Tattoos. Hatten früher meistens Rocker
solche, oder höchsten mal die Leichtmatrosen
trägt fast jeder, weil es „in“ ist, ganz verschämt oder auch locker
was Gestochenes, oft in Form von Rosen.

Daran merk ich, ich werd´ alt. Vieles lässt mich plötzlich kalt,
was ich früher über Nacht, gerne hätte mitgemacht,
jede Mode, noch so wild, trug ich auch und war im Bild.
Heute trag ich, was ich will, und bleib auch beim Anblick still,
seh´ ich allerhand Verrücktes, denk´ich, Gott sei dank, zum Glück es
muß nicht sein. Ach, wie fein.

© Ingrid Metz-Neun