NACHGEFRAGT: AUTORENSICHT - Kirsten Barba


Moin!

Schön, dass Sie dabei sind und sich den Fragen stellen.

Damit die Leser wissen, mit wem sie es zu tun bekommen, stellen Sie sich in 3 Sätzen bitte vor:

Mein Name ist Kirsten Barba. Zweisprachig als Mitglied der dänischen Minderheit in Eckernförde aufgewachsen, schreibe ich heute auf Deutsch, Dänisch und Italienisch.

Sizilien wurde zu meiner Wahlheimat. Dort habe ich auch die Inspiration zu meinem ersten großen Roman „Die Gesichte der Frau Fieruccio“ gefunden. Heute lebe ich wieder in Norddeutschland.

Und nun geht es auch schon mit dem Kurzinterview los!

1) Wann haben Sie zum ersten Mal realisiert, dass Sie Schriftstellerin werden wollten?

Schon als Kind ließ mich ein gutes Buch Zeit und Raum vergessen. Schöne Wörter aus den Büchern, die ich las, schrieb ich in ein Heft und las sie mir von Zeit zu Zeit laut vor.

Sehr früh verfasste ich eigene Gedichte, fabulierte fantastische Geschichten. Der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, schlummerte also schon damals in mir.

2) Was sind die wichtigsten Punkte, die ein gutes Geschichtenerzählen ausmachen?

Zunächst ist es wichtig, aus einer guten Idee einen strukturierten und stimmigen Plot zu erstellen. Glaubwürdige Figuren mit besonderen Eigenschaften, Schicksalen und Vorgeschichten gehören ebenso zu einer gut durchdachten Geschichte dazu wie ein klar aufgebauter Spannungsbogen. Vom Anfang und Ende einer Geschichte sollte der Autor / die Autorin auch bereits vor dem Schreiben eine klare Vorstellung haben.

Das Geschehen dazwischen soll den Leser neugierig auf mehr machen, ihn fesseln, berühren.

Bevor ich ernsthaft eine Geschichte aufschreibe, habe ich in der Regel den ersten und letzten Satz bereits notiert, jongliere nur noch ein wenig mit den Wörtern oder feile an der Satzstellung.

Sprache und Wortwahl sollten Bilder im Kopf des Lesers entstehen lassen. Figuren sollten so lebendig sein, dass sie eine Nähe zum Leser bewirken, dass man mit ihnen bangt, hofft, sich mit ihnen freut, dass man sich vielleicht sogar mit ihnen identifizieren kann. Wenn ein Autor / eine Autorin das schafft, hat er / sie eine gute Geschichte erzählt.

3) Was ist Ihnen als Autor wichtig, mit Ihren Geschichten als Prosa-Autorin auszudrücken?

In meinen Romanen und Kurzgeschichten geht es hauptsächlich um die Auseinandersetzung von Fremdsein und Heimat – auch im übertragenen Sinne, um die Frage der Unausweichlichkeit des eigenen Schicksals, welche Rolle beispielsweise die Geschichte unserer Herkunftsfamilie dabei spielt.

Wenn ich mit dem, was ich schreibe, meine Leser erreichen kann, sie berühren oder auch zu irgendetwas inspirieren kann, dann macht mich das glücklich.

4) Was würden Sie tun, wenn Ihr Protagonist/Ihre Protagonistin Sie plötzlich besuchen kommt?

Wenn G’nazia, die greise hellsichtige Fischerfrau aus meinem Roman „Die Gesichte der Frau Fieruccio“ mich besuchen käme, würde ich sie bitten, am Küchentisch Platz zu nehmen. Denn der ist schließlich ihr Lieblingsplatz im Roman. Und im wirklichen Leben auch zufällig meiner …

Ich würde G’nazia nicht viel erklären müssen, da sie ja hellsichtig ist – in der Hoffnung, sie vergibt mir, denn schließlich habe ich G‘nazia ihre tragische Lebensgeschichte in die Wiege gelegt.

So, wie ich G‘nazias Welt in Sizilien ersponnen habe, in der alles Schicksal ist, unausweichlich, grausam – aber auch irritierend schön.

Ruffina und ihre Mutter Jolanda, die Protagonistinnen aus meinem Roman „Die kanarische Köchin“, würde ich natürlich auch in meiner Küche empfangen. Schließlich ist die Küche der Mittelpunkt ihres Lebens. Und während die kanarische Köchin Jolanda mir eine ihrer legendären Tortillas zubereitet, werde ich sie aushorchen. Wer weiß, vielleicht bricht sie – so ganz nebenbei – ihr beharrliches Schweigen, wenn es um den leiblichen Vater ihrer Tochter Ruffina geht. Denn Kolumbus kann es nun wirklich nicht sein. Oder doch?

5) Die ‚Sunday Times‘ hatte 1000 Menschen gefragt, welchen Beruf sie als nicht-notwendig erachten, die während der Corona-Krise unterstützt werden sollten. Dabei landete „Künstler“ auf Platz 1.

Wie denken Sie darüber?

Ein Leben ohne Kunst? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in dieser außergewöhnlichen Zeit des Stillstands irgendjemand gegeben hat, der kein Buch gelesen oder keine Musik gehört hat. Trost, Freude, Zuflucht, Zerstreuung, Inspiration, all das (und mehr) finden wir in einem Buch, in der Musik, in einem Bild … Ein Buch will geschrieben, ein Musikstück komponiert und ein Bild gemalt werden. Deshalb brauchen wir Künstler, und die wiederum benötigen Mittel.

Künstler und Kulturschaffende sind wichtig und notwendig für jede Gesellschaft und sollten – nicht nur in Krisenzeiten – unbedingt unterstützt werden. Kunst ist Nahrung für die Seele.

6) Schreiben Sie bereits an einem neuen Buch? Wenn ja, können Sie uns schon etwas darüber verraten?

Ja, ich schreibe an einem neuen Buch, und wieder wird Sizilien, dieses Mal aber auch sehr stark Norddeutschland (Schleswig-Holstein) eine Rolle spielen. Mehr wird noch nicht verraten! In Kürze jedoch erscheint mein erstes Kinderbuch mit besonderen Illustrationen eines sizilianischen Künstlers.

7) Viele Leser möchten gern mit ihren Lieblingsautoren in Kontakt treten. Gibt es bei Ihnen dazu eine Möglichkeit? Haben Sie eine eigene Internet- oder Facebookseite?

Ich freue mich über jeden direkten Austausch mit meinen Lesern. Kontaktieren kann man mich über www.kirstenbarba.de

Wir vom Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein e.V. bedanken uns für die Zeit, die Sie sich für die Beantwortung unserer Fragen genommen haben und wünschen Ihnen bei Ihrem kreativen Schaffen weiterhin viel Erfolg!

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